Heimweh

Unser Hund mit Weihnachtsmütze an Heiligabend 2025
Ich bin über die Weihnachtsferien bei meiner Oma zu Besuch. Ihr geht es körperlich nicht so fit, deswegen bleiben wir hauptsächlich in ihrer Wohnung und verbringen unsere Zeit mit Fernsehen, Essen und netten Gesprächen auf ihrem Balkon - bei -5°C. Eigentlich eine schöne und wertvolle Zeit: Ich freue mich meine Oma wiederzusehen.
Sie wohnt weit weg von uns und wir besuchen sie selten. Das hier ist also ganz besonders. Und unsere Oma ist auch eine ganz liebe Person! <3 Sie sorgt sich um mich, verteidigt mich bei Streitigkeiten um mein Vegan-sein und wir können aufm Balkon offen quatschen.
Trotzdem habe ich irgendein unwohles Gefühl in meinem Bauch. Das Gefühl, dass etwas fehlt. Das Gefühl, dass ich eingeschränkt bin. Das Gefühl, das ich weg möchte.
Heimweh
Dieses Gefühl ist wohl Heimweh. Ich sehne mich nach dem Bekannten. Nach meinem warmen Bett und nicht der lauten Luftmatratze. Nach meinem Schreibtisch und meinem Sessel, an dem ich arbeiten kann: Texte schreiben, YouTube schauen, Fridays For Future planen. An dem ich einfach mal meine Ruhe haben kann.

Mein Zimmer während dem großem Umbau 2025 im November
Ich sehne mich nach dem Ort, der mein Zuhause ist. Auch weil ich dort frei sein kann. Ich kann mich zurückziehen, kann Grenzen setzen, kann sagen: "Das ist mein Zimmer und ich brauche Zeit für mich."
Was ist Heimweh jetzt?
Heimweh ist für mich also ein Verlangen nach dem Bekannten. Der Drang, dem ungewissen, neuen Umfeld zu entfliehen in eine sichere Umgebung, in dem ich meine Rolle kenne und allein sein kann.
Übernachtungen
Ich merke jetzt auch, dass Übernachtungen mir zwar sehr viel Spaß gemacht haben, aber dass fast jedes mal, wenn ich schließlich im Bett lag oder davor, das Heimweh-Gespenst mich heimgesucht hat.
Ich habe auch ein Grauen vor dem Morgen danach. Wenn ich aufstehe möchte ich meine Ruhe haben. Ich brauche ein paar Minuten um mich erstmal zu sortieren und einzufinden. Wenn mich am morgen schon jemand vollplappert oder auch nur am selben Tisch sitzt, fühle ich mich, als ob ich erstmal für diese Person da sein muss und dann schauen kann, was ich mache für den Tag.
Das ist voll schade. Ich möchte eigentlich mich mit meinen Freunden wie Zuhause fühlen. Möchte Tage mit ihnen verbringen können. Aber nicht nur bekomme ich auf lange Sicht Bauchweh, sondern kann das auch irgendwie nicht. Das macht mich traurig.
Wie gehe ich damit um
Aber ich denke auch, dass es okay ist. Ich habe ja auch zuvor gelernt, dass es wichtig ist sich so zu akzeptieren, wie man ist.
Dann zähle ich eben zu dem Typ Menschen, die ihren Tag im eigenen Bett starten und im eigenen Bett beenden
Das ist doch nichts schlimmes. Ich habe eben meine eigenen Grenzen, was das angeht und basta. Und wenn ich mal bei jemanden übernachte, dann ist zwar auch dieses Heimweh da, aber der Spaß oder die Spannung wird es hoffentlich überschatten.
Wie ist das jetzt bei meiner Oma?
Bei meiner Oma kann ich nicht sagen: "Bleib aus meinem Zimmer", weil ich gar kein eigenes Zimmer hab. Ich muss mir mit meinen Eltern eins teilen. Und am Tag sind auch alle Zimmer belegt. Ich habe keinen Rückzugsort und kann nirgends entspannen oder mal in Ruhe nachdenken. Ich bin immer bei meiner Familie, und das nervt mich schon stark.
Aber ich sehe das so:
Ich bin nicht lang und nicht oft bei meiner Oma. Ich möchte die Zeit die ich hier mit ihr habe genießen und stelle deswegen meine Bedürfnisse erstmal zurück, obwohl das mega ungesund ist (Stichwort Bedürfnisse).
Ich halte das aus, weil es nur vorübergehend ist und stelle die Zeit mit meiner Oma in den Vordergrund.